Stabile Seitenlage: Schritt für Schritt erklärt
Wann die Seitenlage richtig ist, wie sie in sieben Schritten gelingt und warum Sie danach die Atmung weiter kontrollieren müssen.
Wozu die Seitenlage dient
Eine bewusstlose Person, die normal atmet, gehört in die Seitenlage. Sie hält die Atemwege frei: Zunge, Erbrochenes oder Blut können aus dem Mund abfließen, statt in die Luftröhre zu gelangen.
Die Reanimationsleitlinien 2025 des Deutschen Rates für Wiederbelebung sprechen inzwischen nur noch von „Seitenlage“, weil diese Lagerung nur bedingt stabil ist. Gemeint ist dasselbe: Die Person liegt auf der Seite, der Kopf ist überstreckt, der Mund ist der tiefste Punkt.
Wann ist die Seitenlage richtig?
Die Seitenlage ist richtig, wenn beides zutrifft:
- Die Person reagiert nicht auf lautes Ansprechen und leichtes Rütteln an den Schultern.
- Die Person atmet normal. Prüfen Sie das bei überstrecktem Kopf höchstens zehn Sekunden lang: Brustkorb heben sehen, Atem hören, Luftstrom an der Wange fühlen.
Keine normale Atmung: keine Seitenlage
Atmet die Person nicht normal, rufen Sie 112, beginnen sofort mit der Herzdruckmassage und lassen einen Defibrillator (AED) holen. Schnappatmung, also seltene, tiefe, unregelmäßige Atemzüge, ist keine normale Atmung.
Seitenlage in sieben Schritten
- Notruf veranlassen. Rufen Sie 112 oder lassen Sie jemanden anrufen. Knien Sie sich seitlich neben die Person, nehmen Sie ihr eine Brille ab und strecken Sie ihre Beine.
- Nahen Arm ablegen. Legen Sie den Arm, der Ihnen zugewandt ist, angewinkelt nach oben, die Handfläche zeigt nach oben.
- Fernen Arm vor die Brust. Greifen Sie das Handgelenk des anderen Arms, führen Sie ihn vor der Brust entlang und legen Sie den Handrücken an die Ihnen zugewandte Wange. Halten Sie die Hand dort fest.
- Fernes Bein beugen. Greifen Sie mit der freien Hand das ferne Bein oberhalb des Knies und ziehen Sie es hoch, sodass der Fuß flach auf dem Boden steht.
- Zu sich herüberdrehen. Ziehen Sie am gebeugten Bein. Die Person rollt zu Ihnen auf die Seite, die Hand bleibt an der Wange.
- Bein ausrichten. Legen Sie das obere Bein so, dass Hüfte und Knie etwa im rechten Winkel liegen. Das verhindert, dass die Person nach vorn kippt.
- Kopf überstrecken, Mund öffnen. Neigen Sie den Kopf nach hinten und öffnen Sie den Mund leicht. Der Mund ist jetzt der tiefste Punkt. Richten Sie die Hand unter der Wange so aus, dass der Kopf in dieser Lage bleibt.
Decken Sie die Person zu, zum Beispiel mit einer Rettungsdecke, und bleiben Sie bei ihr.
Atmung weiter kontrollieren
Die Seitenlage ist nicht das Ende der Ersten Hilfe. Kontrollieren Sie regelmäßig, ob die Person weiter normal atmet, bis der Rettungsdienst übernimmt.
Hört die normale Atmung auf, drehen Sie die Person auf den Rücken, lassen den Rettungsdienst erneut informieren und beginnen sofort mit der Herzdruckmassage: 30 Kompressionen, dann 2 Beatmungen. Wenn Sie nicht beatmen können oder wollen, drücken Sie ohne Unterbrechung weiter. Ein AED führt Sie mit Sprachanweisungen durch den Einsatz.
Besondere Situationen
- Schwangere legen Sie auf die linke Seite. Das entlastet die große Hohlvene.
- Verdacht auf Verletzung der Wirbelsäule: Der freie Atemweg hat Vorrang. Eine bewusstlose, normal atmende Person wird trotzdem auf die Seite gelegt, so behutsam wie möglich.
- Säuglinge werden anders gelagert als Erwachsene. Die hier beschriebene Seitenlage ist für sie nicht geeignet.
Häufige Fehler
- Seitenlage ohne Atemkontrolle. Wer nicht prüft, ob die Person normal atmet, verpasst den Zeitpunkt für die Herzdruckmassage.
- Kopf nicht überstreckt. Ohne überstreckten Kopf und geöffneten Mund bleibt der Atemweg gefährdet, auch in Seitenlage.
- Person allein lassen. Die Atmung kann sich jederzeit verändern.
Weitere kostenlose Ratgeber: Herzdruckmassage und AED · Erste Hilfe auffrischen · Erste-Hilfe-Unterweisung im Betrieb
Stand: September 2026, auf Grundlage der Leitlinien des European Resuscitation Council und der Reanimationsleitlinien 2025 des Deutschen Rates für Wiederbelebung. Wer unsere Inhalte verantwortet, steht unter Fachliche Verantwortung. Dieser Ratgeber ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs mit praktischen Übungen.
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